Logo und zur Startseite

Im Mehrgenerationenbereich des Bürgerzentrums wurde 2009 ein Projekt durchgeführt, das Spaß, Kreativität und Gemeinsinn miteinander verband. Angesprochen waren alle Altersgruppen, die sich vorstellen konnten, ein Puppentheater „auf die Beine zu stellen“, bei dem sie von Anfang an mir Ideen, Phantasie und gestalterischen Einsätzen beteiligt waren. Das Projekt „Phantastisches Figurentheater“ setzte keinerlei Bedingungen voraus, jeder konnte mitmachen.

Der Prozess des künstlerischen Formens und Spielens stellte ein weites Feld dar. So konnte sich jeder unabhängig von seiner Begabung und Entwicklung als Mitglied einer Theatergruppe mit dem einbringen, was er am besten konnte. Ob mit oder ohne Behinderung, alle waren aufgefordert mit zu tun. Unterstützt wurde dieses Projekt vom Landschaftsverband Rheinland, ohne deren finanzielle Hilfestellung die erfolgreiche Umsetzung wohl nicht möglich gewesen wäre. An dieser Stelle möchten wir uns dafür herzlich bedanken.

Unter der pädagogischen Leitung der Sozialpädagogin Tanja Bauer und der fachlichen Leitung von Monika Pantel – Meisterschülerin der Hochschule für bildende Künste Hamburg, wurden Ideen für eine Aufführung entwickelt, Handlungen konzipiert und Drehbücher geschrieben. Es entstanden selbst gefertigte Puppen, die Bühnendekoration wurde entworfen und gestaltet. Eben alles, was für eine Aufführung vor Publikum nötig war, wurde komplett entwickelt und realisiert von den Teilnehmern und Teilnehmerinnen des Projektes.  Fast eine Jahre lang traf sich die Gruppe immer Dienstags  um 17 Uhr im Bürgerzentrum Deutz und erprobte sich als Puppenbauer, Schriftsteller, Tontechniker, Beleuchter, Kostümbildner, und Bühnendekorateur. Es wurde gemeinsam überlegt, welche Geschichte aufgeführt werden sollte. Neue Geschichten wurden erfunden, bereits existierende Bestandteile wurden neu interpretiert, eigene Erlebnisse flossen in die Handlung ein. Bei der Anfertigung der Puppen und dem Bau der Bühne lernten die Teilnehmer plastische Prozesse kennen, dabei waren der Phantasie, der Formen- und Materialvielfalt keine Grenzen gesetzt. Als die Idee stand, kam der Plakatentwurf ins Spiel. Die Gruppe lernte mit Collagentechnik und Malerei ein eigenes Plakat zu entwerfen, um für das Theaterstück zu werben. Zur Entwicklung des Rollenspiels experimentierten die Teilnehmer mit Stimme, Geräuschen und Bewegungen, um dem Theaterstück Leben einzuhauchen. Menschen, die sich für den Umgang mit der Technik interessierten, lernten das Theaterstück mit Licht, Ton, und Bild kreativ zu begleiten. Mit einfachen Mitteln und Musik (Instrumente, Geräusche, Klänge, Stimmen) entstanden Lieder, die dem Stück etwas Besonderes verliehen.

Resümierend war es wundervoll zu sehen, wie sich eine sehr heterogene Gruppe von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren  beiderlei Geschlechts  mit Behinderung und ohne Behinderung sich ein Jahr lang auf diesen Gestaltungsprozess einließen, ein gemeinsames Puppentheater zu schaffen.  Hier traf jugendliche Unbekümmertheit auf handwerklichen Sachverstand und das Gegenteil von Beidem war ebenfalls zu finden. Junge lernten von den Alten, nicht Behinderte lernten von den Behinderten und umgekehrt. Die Gruppe, die zeitweise fast 20 Personen umfasste, rang um jede Kleinigkeit und wuchs über sich Hinaus, indem sie den Brückenschlag von Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit in einem unterhaltsamen Spannungsbogen zusammenbrachte und in 2 vielbejubelten Aufführungen präsentierte. Auch wenn am Ende mit den Aufführungen ein großer Erfolg stand – es war wie so oft – der eigentlichen Wert des Projektes war der Prozess, das dynamische, kreative, chaotische, derbe und liebevolle, das soziale Miteinander.