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Ausgangslage für die Idee des Familienprojektes war die Feststellung, dass im Sozialraum Deutz seit Jahren ein statistisch erhöhtes Aufkommen von allein erziehenden Familien zu verzeichnen ist. Wie aus der Arbeit Bürgerzentrums Deutz in den letzten Jahren deutlich hervorgeht, benötigt diese Zielgruppe besondere Unterstützung in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Neben verbindlichen und flexiblen Kinderbetreuungszeiten, die einen Berufsalltag überhaupt erst ermöglichen, sind Beratungs- und Entlastungsangebote im Erziehungs- und Freizeitbereich notwendig. Auch Bedarfe mehrerer Generationen sind konstruktiv zu verknüpfen und in übergreifenden Angeboten beispielhaft zu berücksichtigen. Sie leisten einen wichtigen Beitrag dafür, dass Familienleben den Alltags- und Terminstress übersteht, und stärker als wichtigster Raum für Wachstum, Entwicklung und Geborgenheit erfahren werden kann. Als solcher ist die Familie trotz sich wandelnder Familienstrukturen immer noch entscheidend für die Entwicklung von Kompetenzen und Handlungspotential der nachfolgenden Generation.
In dieser Rolle wollen wir die Familien unterstützen, sie stärken und ihnen sowohl fachkundige Beratung als auch praktische Erziehungshilfen zur Seite stellen.
Aus der bisherigen Entwicklung des Projektes wurde deutlich, dass durch diese Maßnahme auch Senioren, ohne eigenen Familienanschluss die Möglichkeit erhielten, Großfamilienstrukturen aus der Nachbarschaft aufzubauen.
Folgende Ziele werden mit dem Projekt erreicht:
- Entlastung der Familien durch praktische und fachliche Hilfestellungen im Familienleben und Erziehungsprozessen
- Förderung des innerfamiliären mehrgenerativen Zusammenhalts durch Initiierung gemeinsamer, positiver Erlebnisse.
- Praktische Unterstützung in konfliktbelasteten Erziehungsprozessen (Schule, Mediennutzung, ....).
- Entspannung der termin- und erledigungsgeprägten Alltagssituation durch Organisation von Freizeitaktivitäten für die Familie am Wochenende.
- Spezielle Beratung im Spannungsfeld der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. (Organisation der Kinderbetreuung, Haushalten mit geringen Mitteln,...).
- Verbesserung der Alltagsorganisation von alleinerziehenden Vätern und Müttern
- Prävention durch Aufklärung in den Themengebieten Sucht- und Gewaltvorbeugung.
- Aufbau von nachbarschaftlichen Großfamilienstrukturen.
Das Projekt stellt neben einem Kontakt- und Informationsforum konkrete Beratungs- und Freizeitangebote sowie Erziehungshilfen bereit.
Modul 1: Basismodul
Gemeinsam den Tag beginnen
Als Basismodul wird hier alle 14 Tage ein Frühstückstreffen durchgeführt, welches jeweils sonntagmorgens von 10:00 - 12:00 Uhr stattfindet. Hier ist Raum für intergenerative Kommunikation und Erfahrungsaustausch,
Kontaktaufnahme und für die Vorstellung der anderen Projektbausteine.
Über eine altersgerechte Kinderbetreuung wird eine stressfreie Atmosphäre gewährleistet. Das gesunde und ausgewogenes Frühstücksbuffet bietet die Möglichkeit, den Tag unbelastet von hauswirtschaftlichen Notwendigkeiten gemeinsam mit den Kindern zu beginnen.
Nach zögerlichem Anlauf hat sich dieses Angebot mit regelmäßig über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Stadtteil etabliert und die Nachfrage wächst stetig.
Modul 2: Freizeitmodul
Zeit Miteinander - Zeit Füreinander
In unterschiedlichen Freizeitmodulen schließen sich Angebote an, die von den verschiedenen Generationen der
Familie ohne überfordernde Vorbereitung und Planung angenommen werden können. Hier besteht ein besonderer Bedarf, da die Freizeitplanung in den Familien aufgrund des Alltags- und Termindrucks oftmals zu kurz kommt und am Wochenende kaum noch Energien freigesetzt werden können, um die Freizeit konstruktiv zu planen. Dies wird von dem Team des Freizeitmoduls erledigt, welches die Organisation übernimmt und die Rahmenbedingungen nach Bedarf der Teilnehmenden variiert.
Beispielhaft seien hier genannt:
- Familienkanutour
- Klettern mit der Familie
- Tanz für die Familie
- Werkstatt Kunst
- Familienfahrradtour
Hierin erlebten die Familien einen gemeinsamen, spannenden Tag mit Spaß und Anspruch. Gemeinsam Zeit zu verbringen, etwas Neues kennen zu lernen, gemeinsam Erfahrungen zu machen, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen und auch die der Anderen, gehört zur Dynamik dieser Freizeitangebote. Bei einer Kanutour gemeinsam ein Boot steuern oder sich beim Klettern gegenseitig Hilfestellung leisten; die Methoden der Abenteuerpädagogik werden genutzt, um die gemeinsame Erlebenswelt der Familienmitglieder, von Jung und Alt und die Kommunikation miteinander - auch nachbarschaftsübergreifend zu stärken und zu intensivieren.
Dieses Modul gehörte sicherlich zu den Highlights des Projektes im Jahr 2009. Die Erwartungen wurden bei weitem übertroffen. Mit bis zu 30 Teilnehmern wurde Kanu gefahren, geklettert, gebastelt Circus gemacht etc. Nach den Rückmeldungen erlebten sich die Teilnehmenden selten als Familie so konzentriert wie an diesen Nachmittagen, an denen sie, entlastet von Organisationverpflichtungen, Zeit für sich genießen durften. Die Eindrücke aus diesen Nachmittagen wurden noch Wochen später als tiefgreifend beschrieben, sei es, als gemeinsam Entspannung geübt wurde, oder bei der Bewältigung des gemeinsamen Scheiterns, wenn das Familienkanu kentert und man durchnässt beim Picknick in der Sonne sitzt .
Modul 3: Beratungsmodul
Lernen, was bewegt
Im Beratungsmodul werden zu wichtigen familienrelevanten Themen Elternabende und Fortbildungen angeboten, die Eltern Orientierungshilfe in der Bewältigung von Erziehungsprozessen und Unterstützung in der Organisation des Familienalltages bieten sollen.
Die Themen in 2009 hießen:
- bewusster Medieneinsatz in der Familie
- Mein Kind ist in der Pubertät
- Haushalten mit wenig Geld
- Wie begleite ich mein Kind durch die Schule
- Konflikte und Regeln in der Familie
- und andere Themen mehr, die sich aus der sozialraumnahen Entwicklung des Projektes ergaben
In diesem Modul wurden in lebendigen Diskussionen, moderiert durch Fachreferenten, Themen angesprochen, die in beteiligten Familien für typische Konfliktsituationen und Erfolgserlebnisse sorgen. Im Ineinandergreifen der
verschiedenen Module, (gemeinsam Essen, positive Erfahrungen bei Freizeitaktivitäten), entstand das nötige
Vertrauen, um auch diese Themen offen anzusprechen, weil die Betonung auf der Gleichartigkeit der
Konfliktsituationen in den Familien lag. Die Anregungen, die methodischen und pädagogischen Tipps zu welche die Teilnehmer erhielten wurden nicht als Angriff auf eigene Vorgehensweisen verstanden, sondern als Bereicherung und Hilfestellung für das praktische Miteinander im Familienalltag.
Modul 4: Modul praktische Erziehungshilfe
Solange Kinder klein sind, gib ihnen tiefe Wurzeln,
wenn sie älter geworden sind, gib ihnen Flügel.
(Indisches Sprichwort)
Im Modul Erziehungshilfe haben fachkundige Trainer zu verschiedenen wichtigen Erziehungsfragen praktische
Trainingskurse für Kinder und Eltern durchgeführt, um über die praktische Übung Unterstützung für den Erziehungsalltag anzubieten.
- Ernährung - gesund Kochen mit Kindern
- Zeit zum Spielen - Workshop zu gemeinsamen Spiel in der Familie
- Mutige Kinder - mutige Eltern - ein erlebnispädagogischer Workshop zur Überwindung von Hemmungen
- The Show must go on - ein circuspädagogisches Projekt mit der ganzen Familie
- Schlag ein - nicht drauf - Konfliktbewältigung in der Familie
- Behinderung in der Familie
- und andere Themen mehr, die sich aus der Entwicklung des Projektes ergaben
In diesem Modul steht die praktische Familienunterstützung im Vordergrund. Eltern und Kinder erleben in Workshops, wie spannend und wichtig scheinbar normale Familiensituationen sind. Gemeinsam Essen, gemeinsam Spielen, gemeinsam Streiten, gemeinsam kreativ sein, dies alles wird wieder in Erinnerung gerufen und praktisch durchgeführt.
Wie in Modul 2 stehen wichtige Sozialisationsprozesse, wie Selbstvertrauen weiterentwickeln, Teamwork erleben, Grenzen erfahren, Hemmnisse überwinden, Stärken und Schwächen zulassen, u.v.m. im Vordergrund des Geschehens. Das bewusste, gemeinsame und aktive Tun soll als positives Erlebnis wahrgenommen werden, egal ob es sich um ein Mittagessen, einen Ausflug oder die Suche nach einer Lösung in einem Konflikt handelt. So vermittelt sich erfahrungsnah das Interesse aneinander, welches die Grundvoraussetzung für ein gelungenes Miteinander der Familien und unterschiedlichen Generationen sowie Nachbarschaften im Sozialraum darstellt.
Diese Termine waren die erwarteten Workshops für die teilnehmenden Familien. Sie ließen sich gemeinsam darauf ein, auch schwierige Familienthemen einmal zu bearbeiten und aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Welche Rolle spielt essen in unserer Familie? Wer hat dabei welche Funktion? Wie gehen wir mit Gewalt in der Familie um? Die Bearbeitung der Themen erforderte viel sensibilität und auch Offenheit von den Beteiligten. Diese konnte durch das erworbene Vertrauen in den anderen Projektbausteinen erreicht und wäre Ohne diesen Vorlauf sicher auch nicht möglich gewesen.
Das Projekt läuft aktuell auf Hochtouren und hat sich, wie bereits erwähnt, im Stadtteil platziert. Der eingeschlagene Weg aus der Startphase hat sich als richtig erwiesen, benötigt jedoch die Weiterführung, um die angestrebte nachhaltige Wirkung zu entfalten. Die deutlich gestiegene Wahrnehmung und Bedeutung des Projektes als verlässliches, fachlich kompetentes und attraktives Beratungsangebot, von dem wichtige Impulse zur Bewältigung des Familienalltags ausgehen, wird stetig rückgemeldet und motiviert zur Weiterführung.
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